
Okami
Okami Test / Review
Die nächste Generation von Videospielen manifestiert sich so langsam aber sicher in den heimischen Wohnzimmern und jedermanns Erwartungen an grafische Ergüsse steigen eine Stufe höher. Umso erstaunlicher ist es daher, wenn ein PS2 Spiel nur schon beim Betrachten allerorts für herabhängende Unterkiefer sorgen kann.
Tatsächlich dürfte Okami der stichfeste Beweis sein, dass Videospiele zu einer Kunstform avanciert sind, scheint es doch den Fernseher dank wunderschönem Cel-Shading, fantastisch animierten Charakteren und atemberaubenden Wasserfarb- und Lichteffekten kurzerhand eine lebendige Leinwand zu verwandeln. Zugegebenermassen verwendet Okami einige technische Tricks, die in anderen Spielen gar als Grafikbugs ausgelegt werden könnten, aber im Kontext des Spielkonzepts und des einzigartigen Grafikstils passen sie wie die Faust aufs sprichwörtliche Auge. Grafisch ist uns einzig die geringe Sichtweite negativ aufgefallen und das nur, wenn man in vollem Tempo unterwegs ist und aus versehen in eine Gegnergruppe hineinläuft oder das ein oder andere interessante Objekt beim vorbeirauschen übersieht.
Es wäre aber unfair, Okami nur auf seine grafische Umsetzung zu reduzieren, denn unter der künstlerischen Aufmachung steckt ein grundsolides Action-Adventure, das über Wochen hinweg an den Bildschirm fesseln kann. Euer Abenteuer beginnt in einer finsteren Nacht im alten Kaiserreich Nippon, als ein legendäres Schwert von seiner Ruhestätte entfernt wird und dabei die Macht desjenigen schrecklichen Dämons entfesselt, den es fast 100 Jahre zuvor niederstreckte: Orochi, die achtköpfige Schlange. Dieser fackelt auch nicht lange und hüllt ganz Nippon in eine unheimliche Dunkelheit, unter der Mensch, Tier und Natur zu leiden haben. Jede Hoffnung scheint verloren, bis die Göttin Sakuya ihre letzten Kräfte aufwendet, um Amaterasu, die Mutter allen Seins aus ihrem Schlaf zu erwecken und in der Form des weissen Wolfs erneut in der Welt der Menschen zu manifestieren. Denn bereits vor 100 Jahren kämpfte sie an der Seite eines furchtlosen Kriegers gegen die Bestie, die nun erneut ihr Unwesen treibt.
Wie der Grafikstil und die Musik ist auch die Geschichte sehr Japanisch gehalten und basiert auf alten Legenden und Erzählungen. Jedoch sollte man sich nicht vom Setting abschrecken lassen, denn die Entwickler gehen mit viel Humor an die Aufgabe heran, Japanische Kultur uns westlichen Spielern schmackhaft zu machen. Dies merkt ihr spätestens, wenn Issun, ein wandernder Maler von der Grösse eines Käfers seinen Auftritt hat und als allererstes die gute Sakuya anbaggert; wer könnte es ihm verübeln...
Die gute Amaterasu geniesst ebenfalls nicht gerade viel Respekt, haben die Menschen doch während all den Jahren den Glauben etwas verloren und übersehen das Göttliche in Wolfsgestalt. So muss sie sich dutzende Spitznamen wie Ammy, Fellknäuel oder Schneeflocke gefallen lassen, zahlt es aber entsprechend heim, indem sie während längeren Erzählungen gern mal ein Gähnen von sich gibt oder gleich ein Nickerchen macht. Für Unterhaltung ist also trotz des ernsten Hintergrunds allemal gesorgt.
Game Info
- Genre: Action-Adventure
- Entwickler: Clover Studio
- Publisher: Capcom
- Spieler offline: 1
- Releasedatum: 08.02.2007 (erschienen)



