Shin Megami Tensei: Persona 3

Shin Megami Tensei: Persona 3 Test / Review

Während die Spieleindustrie ihre Prioritäten im Verlauf des letzten Jahres eindeutig auf die neue Konsolengeneration ausgerichtet hat, dürfen wir Europäer uns dennoch gelegentlich über den einen oder anderen Nachzügler für die alternde PS2 freuen. Insbesondere wenn es um Rollenspiele aus dem Land der aufgehenden Sonne geht, mussten wir uns in der Vergangenheit in Geduld üben, doch hin und wieder wird das lange Ausharren durchaus entlohnt; so auch mit Shin Megami Tensei: Persona 3.

Die Spin Off-Reihe aus der Shin Megami Tensei-Serie feiert zwar hierzulande mit dem dritten Teil ihre Premiere, doch glücklicherweise benötigt ihr keinerlei Vorkenntnisse der nur in Japan und Nordamerika erschienenen Vorgänger, um den ungewöhnlichen Titel vollends auskosten zu können. Was ihr aber mitbringen solltet, ist eine gewisse Faszination für die fernöstliche Kultur und ein wenig Ausdauer, denn sowohl die Anime-typische Präsentation wie auch eine einzigartige Spielstruktur lassen Persona 3 deutlich aus dem RPG-Einheitsbrei herausstechen, wird dabei aber nicht alle Geschmäcker treffen.

Dies schon allein aufgrund des eher aussergewöhnlichen Settings, denn anders als bei den meisten Genre-Vertretern spielt Persona 3 nicht in einer märchenhaften Fantasywelt oder einer düsteren Zukunft, sondern lässt euch in die Rolle eines Schülers der Gekkoukan High School im Japan des Jahres 2009 schlüpfen. Wie der namenlose Held aber bald feststellen muss, hatte er sich an keiner gewöhnlichen Schule eingeschrieben, denn des Nachts um Punkt 0 Uhr verwandelt sich das Lehrgebäude für eine Stunde in ein gigantisches Labyrinth namens Tartarus, bewohnt von unheimlichen Schattenwesen. Während der Grossteil der Bevölkerung von dem nächtlichen Treiben nichts mitkriegt und die Geisterstunde regungslos in Holzsärgen verstreichen lässt, verbündet sich eine Handvoll Auserwählter zum Kampf gegen die geheimnisvolle Bedrohung, die ihre Opfer apathisch vor sich hin vegetieren lässt. Unnötig zu erwähnen, dass auch ihr der als SEES bekannten Schülergruppierung beitritt und so ein Doppelleben zwischen Schulalltag und Heldentum führen müsst.

Die Geschichte kommt dabei zwar anfangs nur recht schleppend voran, entwickelt sich aber schnell zum treibenden Faktor der zum Weiterspielen animiert und bleibt durchgehend enorm spannend. Dies vor allem dank der vielschichtigen und mysteriösen Charaktere, die sich im Verlauf eures ersten Schuljahres eurer Sache anschliessen, aber sich auch gegen euch stellen. Trotz allem kann es je nach dem eigenen Spielstil zwischenzeitlich zu kleinen Durchhängern kommen, was mit dem grundsätzlichen Spielaufbau in Verbindung zu bringen ist. Ihr verfolgt euren Helden nämlich Tag ein, Tag aus über das gesamte erste Schuljahr hinweg, müsst für Prüfungen büffeln, geht mit Freunden essen oder könnt in eurer Freizeit versuchen, die holde Weiblichkeit zu verführen, während die Haupthandlung sich nur an festgelegten Tagen weiterentwickelt.

Hierbei stellt die Schul- und Freizeit jedoch keinesfalls reinen Pausenfüller zwischen den nächtlichen Erkundungstouren in Tartarus dar, denn in geradezu parodistischer Weise steigern eure täglichen Errungenschaften nach und nach eure Charakteristiken. So könnt ihr beispielsweise im lokalen Schnellimbiss einen geheimnisvollen Burger verdrücken, um euren Mut zu steigern, im schicken Restaurant eine Tasse Kaffee geniessen, was euch neben einem Schuss Koffein eine gehörige Portion Charme einflösst oder geht in der Schulbibliothek den Lehrstoff nochmal durch, um eure akademischen Fertigkeiten zu erweitern. Sicherlich nimmt das Spiel hier nicht gerade die Ausmasse von Canis Canem Edit an, doch da eure beschränkte Zeit jeweils nur eine Aktion pro Tag zulässt, will eure Freizeit minutiös geplant sein. Wer allerdings jeden Tag vollends auskosten will, um die Werte seines Protagonisten zu verbessern, wird dem täglichen Ablauf schnell überdrüssig etwas werden, da wie erwähnt nur an bestimmten Tagen etwas aussergewöhnliches seinen Lauf nimmt und sich durch das ständige Umhergerenne zwischen der Stadt und eurer Schule der Spielverlauf deutlich in die Länge ziehen kann. Glücklicherweise lässt euch der Titel selbst darüber entscheiden, wie genau ihr spielen wollt und wer will, kann den Schulaspekt auch grosszügig ignorieren und sich auf die eigentlichen Kämpfe in der Schattenwelt konzentrieren.

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Game Info

  • Genre: Rollenspiel
  • Entwickler: Atlus Co.
  • Publisher: THQ
  • Spieler offline: 1
  • Releasedatum: 28.02.2008 (erschienen)

Leserwertung

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